Read Süden und Westen: Notizen by Joan Didion Online

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Sie werden aus diesen vierzig Jahre alten Notizen mehr ber Amerikas Zukunft erfahren als aus der Zeitung von morgen.Esquire Ein feinsinniges Portrt uramerikanischer Landschaften, in dem sich bereits die Bruchlinien andeuten, an denen entlang sich das heutige Amerika spaltet Im Sommer 1970 unternahm Joan Didion gemeinsam mit ihrem Mann John Gregory Dunne eine Reise in die amerikanischen Sdstaaten, mit der vagen Idee, darber zu schreiben Das Stck ist nie erschienen, aber ihre Notizen blieben erhalten und werden nun erstmals verffentlicht Wie in ihren hochgelobten Essays und Reportagen zeigt sich auch in diesem ursprnglichen Material die Beobachtungsgabe, der Scharfsinn und das Gespr fr beilufige und doch vielsagende Szenen sowie Didions przise, unwiderstehlich rhythmisierte Sprache, die ihre Texte so einzigartig macht Ergnzt werden Didions Reisenotizen um bisher ebenfalls unverffentlichte Aufzeichnungen, die 1976 entstanden, als sie in San Francisco im Auftrag des Rolling Stone den Prozess beobachtete, der der Millionenerbin Patty Hearst wegen Bankraubs gemacht wurde Ein Buch fr ihre vielen hingebungsvollen Leser und fr jeden, der sich fr den geheimnisvollen Prozess des Schreibens interessiert.Booklist...

Title : Süden und Westen: Notizen
Author :
Rating :
ISBN : 3550050224
ISBN13 : 978-3550050220
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : Ullstein Hardcover Auflage 2 23 Februar 2018
Number of Pages : 589 Pages
File Size : 662 KB
Status : Available For Download
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Süden und Westen: Notizen Reviews

  • Fellkugel
    2019-05-10 09:51

    Die Notizen sagen meines Erachtens weniger über den Süden aus, als viel mehr über die Vorurteile der Autorin gegenüber dem Süden. Die satuierte Nordstaaten-Salonsozialistin wertet jedes ihr fremde Verhalten als rückständig und bösartig. Das wird auch in der x-ten Wiederholung nicht besser. Kein Verständnis und keine Selbstreflexion.

  • Timo Brandt
    2019-05-16 03:50

    „Alles entlang des Golfes scheint zu vergammeln: Wände werden fleckig, Fenster rosten. Gardinen schimmeln. Holz verzieht sich. Die Klimaanlagen funktionieren nicht mehr.“Golfküstenregion: Wildnis, Abgeschiedenheit, Riten, Rauheit, Zivilisationsabhang. Die drei Staaten zwischen dem weitläufig-erzkonservativen, cowboygeprägten Texas und dem sonnig-paradiesischen Florida, namentlich Louisiana, Mississippi und Alabama, gelten in vielerlei Hinsicht als spezielle US-amerikanische Bundestaaten.Große Teile der Bevölkerung von dort müssen regelmäßig (wie der Süden von Amerika im Allgemeinen) als Blaupause für jenes Klischees vom hinterwäldlerischen, immer leicht soziopathischen Amerikaner herhalten, stur und allem Fremden gegenüber skeptisch, dabei oft brutal und abgestumpft.Die Atmosphären in diesen Gegenden, mit denen Schriftsteller und Filmemacher immer wieder gearbeitet habe (zuletzt zum Beispiel in der Staffel 1 der Serie „True Detective“), sind geprägt von einer Mischung aus verquerem Lokalstolz, einfachen Traditionen, Mystik und einem tiefsitzenden Fatalismus (nicht umsonst ist diese Region die Quelle des Blues), der sich aus den zermürbenden klimatischen Bedingungen und der Abgeschiedenheit der Region ergeben.„Das war ein Fatalismus, der, wie ich feststellte, zu diesem bestimmten Sound des Lebens von New Orleans gehörte. Bananen verfaulten und beherbergten Vogelspinnen. Das Wetter kam über das Radar herein und war schlecht. Kinder bekamen Fieber und starben, häusliche Streits endeten in Messerstechereien […]der Fatalismus ist der einer Kultur, die von der Wildnis bestimmt wird.“Joan Didion ist 1970 in diesen Staaten unterwegs gewesen. Zusammen mit ihrem Mann, der aber in den Notizen kaum auftaucht – in den wesentlichen Szenen ihrer Notizen wirkt es so, als wäre Didion allein in den Gespräche, bei den Begegnungen, mit ihren Überlegungen. Eine Frau aus Kalifornien im Kontakt mit Menschen vor Ort.Die Notizen, die einmal zu einem Artikel über diese Staaten des Südens werden sollten (aber nie wurden), sind in Kapitel eingeteilt, die jeweils Abschnitte der Reise markieren, sodass man allein anhand der Kapitelüberschriften Didions Route auf der Karte verfolgen kann.Während ihrer Reise kommt sie ins Gespräch mit Menschen, beschreibt die örtlichen Gegebenheiten, ihr eigenes Herausstechen (als einzige Frau, die Bikini trägt, die selber Auto fährt, die so weit weg von ihrer Heimat angetroffen wird), ihren Versuch die Lebenswelt der Menschen zu begreifen.„Die Abgeschnittenheit dieser Menschen von den Strömungen des amerikanischen Lebens der siebziger Jahre war erschreckend und verblüffend anzusehen. Alle ihre Informationen kamen aus fünfter Hand und waren im Weitergeben mythisiert worden. Spielt es überhaupt eine Rolle, wo XY liegt, wenn XY nicht in Mississippi liegt?“Trotz der Chronologie wirkt „Süden und Westen“ eher unsortiert, weil die Themen und die Art der Darstellung stark variieren und Zusammenhänge nicht immer erkennbar sind und auch nicht immer geliefert werden. Didion gibt schon am Anfang zu, dass das Buch ein Skizzenbuch ist und des Weiteren vor allem fasst, was ihr unverhofft passierte – sie recherchierte selten bewusst.„Ich versäumte es, die Menschen anzurufen, deren Namen ich hatte, und hielt mich stattdessen in Drogerien auf. In einem wörtlichen Sinne war ich unter Wasser, diesen ganzen Monat.“Gerade weil es nur eine Art Notizbuch ist, verblüffen allerdings die Klarheit und der Stil der meisten Schilderungen. Zwar variiert die Darstellung, aber der Fokus in der jeweiligen Darstellung ist immer gestochen scharf und die jeweiligen Überlegungen wirken zwar manchmal willkürlich, sind aber in sich geschlossen.„Süden und Westen“ ist ein Reisebuch und gut, geradezu angenehm zu lesen. Es streift einen konsequent, aber oft auf eindringliche Art. Manche Abschnitte, wie etwa die Suche nach dem Grab William Faulkners, des Schriftstellers, der diese Regionen so gut beschrieb und doch (oder: deswegen) von den meisten Südstaatlern gehasst wird, bleiben im Gedächtnis.Alles in allem ist das Buch natürlich auch eine minimale Sozialstudie – inwiefern noch immer gültig, lässt sich schwer sagen. Aber wenn man „True Detective“ sieht oder Bücher wie „Fremd in ihrem eigenen Land“ liest, bekommt man den Eindruck, Didion würde heute, 45 Jahre später, nicht wirklich eine andere Region bereisen.

  • marita
    2019-04-28 06:37

    Bis vor kurzem hatte ich noch nichts von Joan Didion gehört, außerdem lese ich Notizen nicht besonders gern. Dennoch sprach mich das Buch vom Cover her gleich an, genau wie das Filmplakat auf Netflix. Dennis Scheck sprach ebenfalls seine Empfehlung aus, so dachte ich mir ich wage mich an das Buch.Ich begab mich einen Monat lang mit Joan Didion auf Reisen, der Golfküste Amerikas entlang. Ich las, was Joan Didion über diese Gegend, über die damals aktuellen Konflikte, über "Gott und die Welt" zu sagen hatte. Es handelt sich hierbei nicht um eine fortlaufende Geschichte, sondern um viele verschiedenen Themen, die miteinander verbunden sind und nicht abgehakt wirken. Joan Didion hat eine wunderbare Art zu erzählen, auch die Themen interessierten mich sehr.Mittlerweile habe ich einiges mehr über die Frau erfahren und mich interessiert ihr Leben sehr. Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung.

  • dubh
    2019-05-16 06:49

    Die Journalistin und Schriftstellerin Joan Didion hat in ihren Notizbüchern Gedanken aber auch Gespräche und Entwürfe für Artikel oder Bücher festgehalten. Mit „Süden und Westen“ wurden Auszüge aus Tagebüchern der 1970er Jahre veröffentlicht und mit ihnen ein umfassender Blick auf die damalige Gesellschaft mit ihren politischen wie kulturellen Aspekten.Beim ersten Teil des vorliegenden Werkes kann man Joan Didion und ihren Mann John Gregory Dunne, ebenfalls Schriftsteller und Journalist, bei einem Roadtrip durch Alabama, Mississippi und Louisiana begleiten. Ihre Gespräche mit unterschiedlichsten Einheimischen, ihre Beobachtungen in den Kleinstädten beleuchten die Themen, die das Erbe der Südstaaten darstellen: Rassismus und extreme gesellschaftliche Unterschiede. Und nicht selten musste ich innehalten und mich fragen, wie viel sich von den Eindrücken Didions in den 70ern zu heute wohl verändert hat - nur um zu den Schluss zu kommen, dass es mitunter nicht viel sein dürfte…Der zweite Teil ist eine Sammlung von Notizen zu einer Auftragsarbeit über den Patty Hearst-Prozess für den Rolling Stone, die allerdings nie veröffentlicht wurde. Die Millionenerbin Hearst wurde 1974 von einer linken Gruppe entführt, schloß sich allerdings wenige Monate später selbst der Gruppe an und beging mit ihr einige Überfälle. 1976 wurde sie in besagtem Prozess in San Francisco zu 35 Jahren verurteilt, später wurde die Strafe herabgesetzt und schlussendlich wurde Hearst begnadigt.Der erste Teil umfasst den Hauptteil des Buches und zeigt Didions Sprachwitz und ihre Beobachtungsgabe, die nicht nur mit den Beschreibungen der Menschen, denen sie begegnet, besticht, sondern vor allem auch den Umständen der Reise, den Details der jeweiligen Umgebung.„Süden und Westen“ ist mehr als bloß ein Notizbuch. Nein, dieses Buch zeigt das Talent einer großen Essayistin und dürfte sicherlich auch ein Hinweis der Autorin Jahrgang 1934 sein, denn ich bin mir sicher, dass sie mit der Freigabe ihrer Texte etwas bewirken wollte. Vielleicht ja, dass wir erkennen, wie wenig wir uns in den letzten vier Jahrzehnten entwickelt haben? Wenn überhaupt - betrachtet man eben diese Regionen nach einem Jahr Trump’scher Präsidentschaft…Ein lesenswertes Werk, wenn auch sicherlich kein massenkompatibles.