Read Narratologie und biblische Exegese: Eine integrative Methode der Erzählanalyse und ihr Ertrag am Beispiel von Matthäus 28 (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Band 285) by Sönke Finnern Online

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Zur Auslegung von biblischen Erz hltexten greift die Exegese zunehmend auf literaturwissenschaftliche Methoden zur ck, insbesondere auf die Narratologie Aufgrund der verschiedenen Ans tze und Terminologien ist die Forschungslage jedoch nur schwer zu berblicken.S nke Finnern gibt daher eine systematische Einf hrung in den interdisziplin ren Forschungsstand zur Narratologie und entwickelt eine umfassende, detaillierte Methode zur Analyse von Erz hlungen Umwelt Setting , Handlung, Figuren, Perspektive und Rezeption einer Erz hlung behandelt er durchg ngig aus der Sicht der kognitiven Wende Der kognitive Ansatz Wie soll der Rezipient die Erz hlung wahrnehmen erm glicht dabei die Einbindung historisch kritischer Methodenschritte Die erarbeiteten Beschreibungskategorien werden am Beispiel von Matth us 28 diskutiert Die Studie m ndet in einen Vorschlag zur Neuordnung der exegetischen und allgemein textwissenschaftlichen Methoden....

Title : Narratologie und biblische Exegese: Eine integrative Methode der Erzählanalyse und ihr Ertrag am Beispiel von Matthäus 28 (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Band 285)
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ISBN : 9783161503818
ISBN13 : 978-3161503818
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Mohr Siebeck Auflage 1 15 Juli 2010
Number of Pages : 624 Seiten
File Size : 862 KB
Status : Available For Download
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Narratologie und biblische Exegese: Eine integrative Methode der Erzählanalyse und ihr Ertrag am Beispiel von Matthäus 28 (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Band 285) Reviews

  • ichthys-Redaktion
    2019-03-26 07:41

    In den letzten Jahren konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die Erzählwissenschaft ("Narratologie") an den deutschsprachigen theologischen Fakultäten allmählich etabliert habe. Innerhalb eines breiten "Auslegungspluralismus" gehörte es fast schon zum universitären Erwartungshorizont, dass in neueren Publikationen narrative Ansätze aufgegriffen und reflektiert wurden. Und auch in aktuellen Einführungen zur biblischen Exegese (Vgl. exemplarisch Utzschneider, Helmut/Nitsche, Stefan Ark: Arbeitsbuch literaturwissenschaftliche Bibelauslegung. Eine Methodenlehre zur Exegese des Alten Testaments, Gütersloh 32001; Ebner, Martin/Heiniger, Bernhard: Exegese des Neuen Testaments. Ein Arbeitsbuch für Lehre und Praxis, Paderborn 2005, 70-112. wurden verstärkt neuere - meist mit dem Label "synchron" versehene - Methodenschritte vorgestellt. Wer das hier rezensierte Buch von Sönke Finnern, eine gekürzte Fassung seiner 2009 eingereichten Dissertation, liest, wird nun allerdings erstmals detailliert in den aktuellen Stand der Erzählwissenschaften eingeführt und erfährt dabei eine Horizonterweiterung.Bei der Lektüre wird schnell klar, dass die Rezeption narratologischer Erkenntnisse in den Bibelwissenschaften bisher alles andere als umfassend erfolgt ist. Bereits beim Blick in das achtzigseitige (!) Literaturverzeichnis sowie beim Überfliegen einzelner Kapitelüberschriften (2.3 Umweltanalyse (Während sich in den Kulturwissenschaften ein regelrechter "spatial turn" vollzogen hat (vgl. Bachmann-Medick, Doris: Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, Reinbek 42010), finden sich in der exegetischen Literatur bisher kaum Untersuchungen zum "Raum" oder der "Umwelt".), 2.5 Figurenanalyse (Zahlreiche Aspekte der Figurenanalyse sind bisher so gut wie gar nicht berücksichtigt worden. Für figurenbezogene "Aspekte der neutestamentlichen Theologie wie Christologie, Gotteslehre, Pneumatologie, Angelologie und Dämonologie" (135) und m. E. die Anthropologie (!) könnte dies allerdings gewinnbringend sein.), 2.7 Rezeptionsanalyse) bekommt der Leser einen Eindruck davon, dass die Narratologie heutzutage einen hochdifferenzierten und zunehmend interdisziplinär ausgerichteten Forschungsbereich darstellt und sich längst nicht mehr auf die - in der Exegese nach wie vor dominierenden - strukturalistischen bzw. textimmanenten (Die Exegese konnte über den Ansatz der Rezeptionsästhetik und Pragmatik bisher lediglich das Faktum von Rezeptionswirkungen bzw. Kommunikationsbedingungen benennen. Es fehlen präzise Analyseverfahren, um Empathie, Sympathie, Realitätseffekte, Spannungen uvm. zu untersuchen.) Ansätze reduzieren lässt.Die sogenannte "kognitive Wende" (cognitive turn) innerhalb der Narratologie markiert hier den deutlichsten Unterschied zum innertheologischen Diskussionsstand. Finnern begrüßt diese breite Neuausrichtung der Narratologie und erkennt - völlig zu Recht - den großen Stellenwert für die Exegese. Gerade für die Frage nach der Vereinbarkeit von historisch-kritischer Methodik und Narratologie, die der Ausgangspunkt für Finnerns Untersuchung war, ist diese Entwicklung grundlegend: Insofern nämlich die heutige Erzählwissenschaft "die Prozesse der Textproduktion und v. a. der Textrezeption empirisch und kognitions-psychologisch" (35) aufarbeitet und methodisch präzise untersucht, lassen sich "die historische Dimension von Erzählungen" (V) und damit die Ergebnisse exegetischer Arbeit einbeziehen.Ausgehend vom bisherigen "Methodenstreit" (so Finnern) bzw. von den bisherigen Verhältnisbestimmungen, die der Autor im ersten Kapitel seiner Arbeit systematisiert und unter welchen er jene favorisiert, die eine konkrete Methodenfolge formulieren und in eine "gemeinsame Theorie des Verstehens einordnen" (22), entwickelt Finnern einen eigenen Entwurf zur "Integration der Erzähltextanalyse" (Kap. 4.3). Hierbei geht es ihm um einen umfassenden Methodenkatalog, den er "in historische Methoden, philologische Methoden und thematische Methoden" (483) unterteilt. Während er die Textbestimmung (Textkritik, ggf. Literarkritik) und Textgeschichte (Literarkritik, Überlieferungskritik, Redaktionsgeschichte) im Aufgabenbereich der klassischen Exegese verortet, will er die Narratologie insbesondere für die Texterklärung/Textauslegung (Interpretationsmethode) und Analyse der Textstruktur (darstellungsanalytische Methode) fruchtbar machen (vgl. Tab. 71, 482).Dass sich verschiedene Aspekte der Narratologie zugleich zur besseren Textdarstellung (Darstellungsmethode) eignen, demonstriert Finnern auf eindrückliche Weise in den beiden Hauptteilen seiner Arbeit, den Kapiteln 2 und 3. Hier gelingt die Zusammenstellung bisheriger Modelle vorbildlich, indem der Autor die Entwicklungen bis in die unmittelbare Gegenwart hinein verfolgt, systematisch aufarbeitet und ebenso logisch wie ansprechend (in über 70 Grafiken und Abbildungen) darstellt. Als wesentlicher Gewinn der Arbeit ist außerdem anzusehen, dass Finnern "verschiedene neuere Ansätze u. a. aus dem Bereich der Rezeptionsästhetik, Semiotik und Pragmatik in die Narratologie integriert [...] [und dadurch] der Methodenpluralismus, das unverbundene Nebeneinander von "Zugängen", deutlich reduziert wird" (487).In Kapitel 2 werden so fünf verschiedene Analyseschritte - namentlich die Umwelt-, Handlungs-, Figuren-, Perspektiven- und Rezeptionsanalyse - dargestellt. Die hinter dieser Zusammenstellung liegende Fleißarbeit gerät hierbei erst in den Blick, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Finnern "die existierenden narratologischen Modelle in einer neuen Weise enzyklopädisch aufzuarbeiten" (27) hatte. Denn weder in der Exegese noch in der Narratologie gab es bisher eine derartige Gesamtdarstellung. Darüber hinaus kann Finnern immer wieder einzelne Analyseschritte sinnvoll ergänzen (z. B. 134: "Kategorien der Figurenanalyse"), vereinfachen (z. B. 95f.: "Erzählebenen der Anachronie") oder präzisieren und verweist zudem auf wesentliche Forschungsdesiderate (z. B. 93: "Wichtigkeit von Erzählaussagen"; 137: "Erleben einer Figur"). Dem jeweils zusammenfassenden Abschnitt "Methode der Analyse" - in dem der Autor mögliche Leitfragen an den Text stellt - fehlt hingegen manchmal die notwendige Prägnanz, und die Arbeitsanweisungen ("Untersuchen Sie ..." etc.) wirken etwas gestelzt.In Kapitel 3 ("Praxis der Erzählanalyse") werden die im vorherigen Kapitel theoretisch gewonnenen und präzisierten Analyseschritte der Reihe nach auf den Schlussteil des Matthäusevangeliums (Mt 28,1-20) angewandt. Ziel ist es hierbei, die vorher erarbeiteten Analysemöglichkeiten in der konkreten Anwendung zu reflektieren und die jeweiligen Stärken und Schwächen auszuloten. Der Autor nimmt hierbei "niemanden in die Pflicht, narratologische Untersuchungen in dieser Detailliertheit [durchzuführen]" (265). Vielmehr soll das Buch als Methodenzusammenstellung ein "Handbuch für narratologische Bibelauslegung" sein, das man zu Rate ziehen kann, "wenn man einen biblischen Erzähltext vor sich liegen hat" (440). Hierzu eignet sich das Buch bereits jetzt sehr gut, wenngleich der stolze Preis sowie die teils große Komplexität der Gedankenführung (vor allem in den Anmerkungen) nicht dazu beitragen werden, die Erkenntnisse einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Hier wünscht man dem Autor, dass er seine beeindruckenden Kenntnisse im Bereich der Narratologie und Exegese noch einmal in Form eines didaktisch aufbereiteten Arbeitsbuches zusammenfassen kann.Angesichts der beeindruckenden Präzision und Detailfülle des Buches fällt es kaum ins Gewicht, dass sich durch die Kürzungen einige Fehler bei den buchinternen (Vgl. 89: hier muss es statt 3.1.4.1, 3.1.4.2 usw. 2.4.1, 2.4.2 usw. heißen, oder 95: Anm. 290 verweist auf eine Grafik auf derselben Seite ('s. oben'), die allerdings erst auf der nächsten Seite (Abb. 14) folgt.) Verweisen eingeschlichen haben. Irritierender ist da schon eher, dass Finnern insbesondere in der theoretischen Grundlegung der Figurenanalyse (Kap 2.5) wechselnde Begrifflichkeiten verwendet (Charakter/Persönlichkeit, Gefühle/Emotionen, Verhaltensweisen/Verhalten) - zumal ein klarer Unterschied zwischen dem "Erleben einer Figur" und einzelnen "Figurenerlebnissen" (137) besteht. Auf 624 Seiten unterlaufen dem Autor solche Fehler allerdings äußerst selten, und so bleibt das Buch insgesamt eine Lektüreempfehlung für Exeget(inn)en und Narratolog(inn)en gleichermaßen.Jan Rüggemeierichthys 27 (2011), 259-261